DAS BIKEPACKING-RAD… EIGENTLICH EGAL!

Bikepacking ist eine Idee. Eine Art, wie Mensch, Rad und Natur zusammenfinden. Ja, vielleicht ist Bikepacking sogar eine Lebenseinstellung. Das wird sich noch herausstellen. Schon jetzt ist klar, dass Bikepacking nicht auf irgendeine Radgattung oder -modell beschränkt ist. Man kann mit jedem Rad ins Abenteuer starten. Einige Räder eignen sich für bestimmte Abenteuer allerdings besser als andere. Hier ein kleine Übersicht:

Mit dem Rennrad

Das Rennrad wird für seine Effizienz geliebt. Kein anderes Rad mit konventioneller Sitzposition holt mehr Vortrieb aus der Beinkraft heraus als das Rennrad. Alle Bauteile und Merkmale des Rennrades sind diesem Tempopostulat unterworfen: Die Reifen schmal und mit hohem Druck befüllt, der Lenker tief montiert und die Übersetzung für hohes Tempo ausgelegt. Dabei soll das Rad möglichst steif und dennoch leicht sein. Das alles scheint auf den ersten Blick weit weg von der Idee des Bikepackings. Ist es aber nicht, denn die ersten Radrennen fanden unter Bedingungen statt, die heutigen self-support Rennen sehr ähnlich waren: Schlechte Straße, ein hohes Maß an Selbstversorgung und sehr große Distanzen. Wer kennt nicht die Geschichte des Franzosen Eugène Christophe, dessen Gabel bei der Tour de France 1913 in der Abfahrt vom Col du Tourmalet brach und der wegen eines Helfers am Blasebalg in einer Schmiede, die er nach 14 Kilometer Fußmarsch erreichte, eine Zeitstrafe erhielt? Mehr als jedes andere Rennen steht aber „Paris Brest Paris“ für die Schnittstelle zwischen Rennrad und Bikepacking. Die sogenannten Randonneure fahren faktisch Nonstop binnen 90 Stunden von Paris nach Brest und zurück. Die meisten verladen ihre Ausrüstung und Verpflegung für diesen 1219 Kilometer langen Ritt in kleine Taschen am Rad und verzichten auf Begleitfahrzeuge oder private Hilfe in den Verpflegungsstationen. Mittlerweile gibt es sogar erste offizielle self-support Straßenrennen. Hier eine Auswahl

Gravel-Grinder als ein Bike fürs Bikepacking

Gravelbike als ein Bike fürs Bikepacking

Mit dem Gravelbike/Crosser

Während das Crossrad in Europa eine lange Tradition hat, sind die sogenannten Gravelbikes ein vergleichsweise neues Phänomen. Beide Räder unterscheiden sich in ihren technischen Details und Abmessungen. Ihnen gemeinsam ist die Idee, die Dynamik und das Tempo des Rennrad ins Gelände zu überführen; der Crosser auf winklige, kurze und extrem anspruchsvolle Kurse, das Gravelbike hingegen auf unbefestigte Straßen. Die wörtliche Übersetzung des englischen Begriffs „Gravel“ lautet Kies oder Schotter, der Begriff Gravel Road wird als „Schotterpiste“ übersetzt. Damit ist klar, das Gravelbike ist auf jenen Pisten zuhause, die mit dem Rennrad „unfahrbar“ und fürs Mountainbike zu „langweilig“ sind. Generell fühlt sich das Gravelbike auf den so genannten Dirtroads wohl. Dieser Begriff kann als „Lehmstraße“, „nicht asphaltierte Straße“, „Schotterpiste“ oder auch „Wirtschaftsweg“ übersetzt werden. In den USA gibt es ein riesiges Netz solcher Straßen. Diese lassen sich bestens mit Gravelbikes erforschen. In Deutschland gibt es ebenfalls unzählige Forst- und Wirtschaftswege, die zwischen dem Habitat des Rennrades und der Heimat des Mountainbikes liegen. Dort finden sich auch viele Unterstände, vereinsamte Bushaltestellen usw., die sich vorzüglich auch für „längere Pausen“ eigenen.

Mit dem Mountainbike

Im modernen Bikepacking steht das Mountainbike im Mittelpunkt. Das Mountainbike ist per Definition stabil und geländegängig und damit perfekt fürs Bikepacking geeignet. Die speziellen Bikepacking-Taschen passen faktisch an jedes Mountainbike. Einige Hersteller haben bereits speziell fürs Bikepacking optimierte Räder im Programm. Die Haltung ist aufrechter, das Rahmendreieck für die Taschen extra groß gehalten und ein unüberschaubare Anzahl von Befestigungspunkten erlaubt die Montage von Flaschenhaltern, Schutzblechen, Licht und so fort.

Hinsichtlich der Federungen, Schaltungen, Laufradgrößen und Reifenbreiten herrscht beim Bikepacking die gleiche Vielfalt, wie in der gesamten Bikeszene. Davon sollte man sich nicht irritieren lassen und einfach mit seinem Bike starten. Wenn man Erfahrungen gesammelt hat und Lust auf ein neues Bike verspürt, gibt es reichlich Auswahl. Bei gefederten Rädern muss man sicherstellen, dass sich die Taschen nicht im Federweg der Laufräder befinden.

Bikepacking mit dem Mountainbike

Bikepacking mit dem Mountainbike

Mit dem Fatbike

Das Fatbike ist ein nahezu perfektes Abenteuerrad. Die breiten Reifen kommen mit jedem Untergrund bestens zurecht und ihr „Auftrieb“ lässt sie auch sehr gut im Sand, Matsch, Kies und Schnee fahren. Das lässt den Bikepacker sehr flexibel und spontan sein, denn das Fatbike fährt, egal welcher Untergrund hinter der nächsten Kurve oder Kuppe lauert. Verschwiegen werden darf an der Stelle aber nicht, dass Fatbikes auf Asphalt ihre Schwächen haben: Sie sind jedenfalls keine tempofesten Rouleure.

Mit dem Fatbike erschließen sich dem Bikepacker völlig neue Ziele: Die Kies- und Sandpassagen entlang von Küsten und Flußufern, sandige Heideregionen oder auch sumpfige Waldwege sind mit dem Fatbike ein ideales Abenteuer-Revier. Hinzu kommt, dass das Fatbike dem Radfahrer eine neue Radel-Jahreszeit schenkt: Der Winter. Schließlich hießen die Fatbikes anfangs Snowbikes. Sie wechselten über die Jahre den Namen, aber nicht die Performance im Schnee. Mit dem Fatbike lässt sich vorzüglich durch den Winterwald radeln und bei kalten Temperaturen macht ein abendliches Lagerfeuer gleich besonders Spaß.

Fatbike als idealer Begleiter fürs Bikepacking

Mit dem Fatbike sind auch im Winter tolle Touren möglich